Technik
Drechseln ist eine Zerspanungstechnik in erster Linie für Holz, aber auch andere weiche Materialien wie etwa Epoxidharz oder Speckstein. Dabei rotiert ein Werkstück jm seine Achse und wird mit Werkzeugen wie Drechselmessern, Drechselhaken, Schabern oder Stählen schneidend oder schabend bearbeitet.
Man unterscheidet dabei anhand der Faserrichtung drei Möglichkeiden, ans Holz zu gehen:
Längsholz oder Langholz: hierbei läuft die Faserrichtung parallel zur Drehachse der Drehbank. Kugelschreiber, Mühlen oder Stuhlbeine stellt man üblicherweise so her. „Freundlich“ zum Werkzeug, da hier die Schneide weniger beansprucht wird. Üblicherweise arbeitet man hier mit Formröhren und dem Meißel. Fun Fact: der Drechsler sagt „DAS Meißel“.
Querholz: hierbei liegt die Faserrichtung quer zur Drehachse. Bei dieser Variante kommt in jeder Umdrehung die Stirnseite des Holzes (Stirn- oder Hirnholz) zweimal am Messer vorbei. So entstehen etwa Schüssel, Schalen oder Dosen. Hier arbeitet man hauptsächlich mit Form- und Schüsseldrehröhren, wenn man hinterschneiden möchte unter Umständen auch mit dem Haken.
Hirnholz: Hier arbeitet man direkt „gegen“ die Faser, schneidet also die Faser permanent stirnseitig ab. Fordernd für das Werkzeug bzw. die Schneide. Hier wird mit Haken und Schüsselröhren gearbeitet, auf diese Weise entstehen beispielsweise Becher, Pokale oder Vasen.
Geschichte
Die Drechslerei als Handwerk geht zurück bis ins dritte Jahrtausend vor Christus, wo zwischen zwei festen Punkten eingespannte Stöcke am Boden sitzend mit Schnüren oder Seilen und später Fiedelbögen in Drehung versetzt und mit Werkzeugen bearbeitet wurden.
Wenn man noch weiter zurück schauen möchte, kann man auch das Herstellen von Feuerbohrern erste Ausprägungen des Drechselns nennen, da auch hier die Stöcke gedreht und mit Steinen bearbeitet wurden.
Die erste Darstellung einer Drechselbank finden man um das Jahr 1300. Damals arbeitet man mit Wippdrehbänken, die zum ersten mal beide Hände für die Werkzeugführung frei ließen. Der Antrieb erfolgte über ein Pedal, das über eine Schnur mit dem Werkstück verbunden war. Das Bild links stammt aus den Nürnberger Hausbüchern und ist um 1425 entstanden.
Die Wippdrehbank hielt sich in Mitteleuropa bis ins 19. Jahrhundert, obwohl Leonardo da Vinci bereits um 1500 eine Drehbank mit gekröpfter Welle ähnlich einem Spinnrad erfunden hatte, die eine kontinuierliche Rotation des Werstücks und damit einen durchgehenden Kontakt des Werkzeugs mit dem Holz erlaubte.
Mit der Industrialisierung kam die Möglichkeit, viele Drehbänke gleichzeitig über eine zentrale Dampfmaschine anzutreiben, mit der Elektrifizierung dann im 20. Jahrhundert auch die Möglichkeit, einzelne oder wenige Bänke ohne Einsatz von Menschenkraft anzutreiben.
Tipps für Anfänger
Meine Tipps für Anfänger oder solche, die es werden wollen:
- Kauft von Anfang an gutes Werkzeug. Achtet darauf, daß die Werkzeuge vom Hersteller im richtigen Winkel geschliffen sind – ein Standard-Industrieschliff ist für einen Drechler nicht brauchbar, das gibt nur Frust. Denkt daran, daß ihr euer Werkzeug selber schleifen können müsst. HSS-Stahl ist absolute Mindestqualität!
- Wenn ihr euch eine Drechselbank kauft, überlegt euch, ob ein drehbarer Spindelstock (das Teil mit dem Motor) Sinn macht. Das ist zB der Fall, wenn man (so wie ich) nicht von hinten an die Drechselbank kann, weil da unpraktischerweise eine Wand ist.
- Macht einen Kurs oder lasst euch die Techniken von einem erfahrenen Drechlser zeigen. Es gibt ein paar wenige Grundtechniken, die einfach aber unbedingt notwendig sind, das Wichtigste dabei ist meiner Meinung nach das richtige Anlegen und die richtige Führung des Werkzeugs. (Körperhaltung!)
- Nicht zu kompliziert denken! Am drauf los drechseln ist nichts verkehrt, später, mit mehr Erfahrung werden ihr dann sehen, welches Teil man aus einem Stück Holz machen kann.
- Achtet auf die richtige Kleidung beim Arbeiten, diese sollte eher eng anliegend und robust sein. Zu weite Kleidung ist ein Sicherheitsrisiko!
- Niemals mit Handschuhen arbeiten – diese werden zur ernsthaften Gefahr für eure Hände, wenn die Maschine sie „fängt“.
- Niemals mit langen Haaren arbeiten, hier gilt das gleiche wie bei den Handschuhen.